Vor einigen Wochen musste ich an dieser Stelle zu Spenden für die plötzlich verarmte Milliardärin Madeleine Schickedanz aufrufen. Allen Spendern ein herzliches Dankeschön!

All den hartherzigen Nicht-Spendern kann ich nur sagen: Wundert Euch nicht, falls Ihr in Not geratet und Frau Schickedanz Euch dann auch nicht hilft! Man braucht eben Freunde im Leben und kleine Geschenke erhalten die Freundschaft.

Einer der Freunde von Frau Schickedanz ist bekanntlich Thomas Middelhoff, Ex-Manager von Bertelsmann und dort für den Einstieg des einst so schnarchnasigen Buchclubs in die schöne neue Welt von Fernsehen und Internet verantwortlich.

Nachdem er mit der Beteiligung an RTL das Privatfernsehen in Deutschland erst möglich gemacht (wofür ich ihn gerne steinigen würde…), scheiterte er bei Bertelsmann an seinem Alphatierchen-Gehabe. Sein Mentor Reinhard Mohn schrieb später in einem Buch über Middelhoff: „Eitle Manager sind egoistisch und schwer zu beeinflussen.“

Das Buch hätte Madeleine wohl besser früher lesen sollen. Middelhoffs Freundschaftsbeweis wäre ihr dann vielleicht erspart geblieben und es gäbe mittags immer noch Kaviar statt Dosen-Ravioli von Aldi.

So hat Freund Middelhoff den Börsenkurs von Arcandor von etwa 10 EUR bei seinem Amtsantritt im Mai 2005 auf spektakuläre 1,30 EUR im Februar 2009 gesenkt und alles versilbert, was sich irgendwie zu Geld machen ließ.

Unter anderem verscherbelte er sämtliche Immobilien an ein Konsortium mit Beteiligung des Oppenheim-Esch-Fonds, der neben anderen Schweinereien auch für den Millionenschweren Kölner Messe-Skandal verantwortlich ist,  um die Häuser anschließend teuer zurück zu mieten und kräftig bei Oppenheim-Esch zu kassieren.

Bei so viel kreativem Geldvernichtungspotenzial ermittelt nun auch die Staatsanwaltschaft gegen Middelhoff und selbst der gestandene Arcandor-Insolvenzverwalter Klaus-Hubert Görg staunt: „Wir haben mit der Lupe nach der Substanz in diesem Unternehmen gesucht, aber wir haben nichts Nennenswertes gefunden,“ und wundert sich: „In diesem Hause gibt es wirklich nichts, was nicht anderen Leuten gehört.“

Ich hingegen wundere mich schon lange über gar nichts mehr und verteile stattdessen Tortenärsche. Und Thomas Middelhoff erhält einen Tortenarsch in der Kategorie Wahre Freundschaft. Den hat er sich auch redlich verdient.

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  1. Der Röder sagt:

    Was man so hört
    – hat die gute Frau Schickedanz ja tatsächlich viele Millionen oder gar die ein oder andere Milliarde ihres Privatvermögens in die Rettung des Konzerns gesteckt (ob’s stimmt?). Nur mal angenommen, es stimmte: Ursprünglich hätte es natürlich anders kommen sollen. Die schönsten und profitabelsten Kaufhäuser wurden verkauft (die allerschönsten auch an Herrn Middelhoff) – zu überhöhten Preisen, die mit den ungewöhnlich hohen Mieten gerechtfertigt wurden, festgeschrieben durch langjährige Verträge. So hatte Frau Schickedanz zunächst einmal maximalen Erlös beim Verkauf erzielt. Unterschätzt hatte sie aber wohl, dass sie so gleichzeitig den Keim der Krise bei den Kaufhäusern bereits gelegt hat und sie sich so den anderen Ast absägt an dem sie schmarotzt. Die Kaufhäuser konnten auf lange Sicht so nicht profitabel betrieben werden – offenbar waren die überhöhten Mieten mit Lohndrückerei und Sonderopfern der Belegschaft nicht auszugleichen. Die Konkurrenz zahlt eben nur die halbe Miete …
    Beides geht halt nicht: Riesenreibach beim Verkauf und außerdem weiterhin die gewohnten Erträge aus dem laufenden Geschäft. Da hat Herr Middelhoff wohl sehr geschickte Überzeugungsarbeit geleistet.
    Ganz am Schluss zeigt sich, dass es eben diesem Herrn Middelhoff als Angestelltem offenbar gelungen ist, seine Chefin rekordverdächtig zu melken. So sieht das aus, wenn die Kakerlaken sich Schaben halten …