Das Thema aktuell: Sexueller Missbrauch von Kindern. Ich stelle die Frage in den Raum, ob es sich bei dem Begriff „Missbrauch“ um das richtige Wort für ein Verbrechen an Kindern handelt, das Leben zerstören kann.
Worte schaffen Realität. Es handelt sich hierbei nicht um schnöden „Missbrauch“, also ein fälschliches Benutzen eines Gegenstandes oder Amtes, sondern es ist ein Verbrechen an Menschen die abhängig, unschuldig und ausgeliefert sind.
Es ist Gewalt in Form von Sexualität. Und es ist eben keine „abscheuliche Tat“, sondern ein schweres Verbrechen.
Da hilft auch verabscheuen nichts, wie es verschiedentlich aus der katholischen Kirche, der Presse allgemein und auch der Politik heißt.
„Ich habe kein Verständnis für diese Vorfälle, ja, ich verabscheue sie.“ (Pfarrer Siegmund Bulla)
„Ein weiterer Skandal um den sexuellen Missbrauch von Schülern in Deutschland bahnt sich an einer Reformschule im hessischen Odenwald an.“
„Vorfälle“ und „Skandal“?
Die Bedeutung von „Skandal“ als aufsehenerregendes Ärgernis wird dem Ausmaß nicht annähernd gerecht, wie die Opfer es verdient haben.
Heute spricht man von Amtsmissbrauch, Versicherungsmissbrauch und Waffenmissbrauch und im gleichen Atemzug eben von Kindesmissbrauch??!! Und viel zu oft von Taten anstelle von Verbrechen?
Was fühlen die Opfer solcher Gewaltverbrechen, die allzu oft jahrelang unter den Tätern gelitten haben wenn man mit der Sprache das zweite Verbrechen an ihnen begeht? Das dritte Verbrechen ist die Verjährungsfrist, die eher als Täterschutz zu bezeichnen ist. Hier werden wieder die Opfer eines Verbrechens bestraft – dafür, dass die Verbrechen an ihrem Körper und ihrer Psyche ein – aus rechtsstaatlicher Sicht – pünktliches Anzeigen des Täters verhindern.
Leider hat sich bei den wenigsten Menschen dieses Bewusstsein durchgesetzt. Niemand darf Verbrechen an Menschen bagatellisieren, indem man bewusst oder unbewusst herabstufende Worte benutzt.
Kinderschutzverbände bemühen sich schon lange um ein Umdenken – wir sollten sie dabei unterstützen.











