Sehr geehrter Herr Wulff,

ich habe im ersten Reflex auch ins gleiche Horn geblasen wie sehr, sehr viele Mitbürgerinnen und Mitbürger. „Treten Sie zurück!“, wollte ich Ihnen laut zurufen und auch: „Sie haben bewusst gelogen!“

Dann war ich ein klein wenig enttäuscht: kein Anstand, kein Rücktritt.
Ja, was kann, was muss man erwarten von einem Staatsoberhaupt, einem Politiker, einem Menschen? Solch offensichtliche Vorteilsnahme ohne Not und nur aus einem Machtgefühl heraus, ist im Hinblick auf Millionen von Bürgern, die täglich mit sehr viel weniger auskommen müssen UND ehrliche Kredite abzahlen, eine Schande, die nur den Rücktritt zuließ. Auf Mundraub können Sie sich ja wohl nicht herausreden…
Dann folgte auf die Entdeckung: Schweigen. Später redeten Sprecher und Anwälte. DAS nenne ich ja mal eine würdige Reaktion. Stellen Sie sich vor, ich mache einen Fehler und wenn mein Chef mich fragt, was denn genau passiert sei, antworte ich nicht persönlich, sondern schicke meine Mutter vor. Das wäre ein Spass! Plötzlich war in den Medien auch nur noch die Frage nach der Rechtmäßigkeit des eigentlichen Kreditkonstruktes ein Thema…mich hat vielmehr gestört, dass Sie zuerst gelogen haben und später nicht die Courage hatten, zeitnah selbst zu sprechen. Und zwar über Ihre Lüge vor dem Landtag und über das tatsächliche zustande kommen Ihres Häuslekredits und nicht über mögliche juristische Spitzfindigkeiten.
Es drohte die Lüge in Vergessenheit zu geraten – oder seitens der Berichterstattung ignoriert zu werden. Man wollte Herrn Wulff jetzt wohl doch halten.

So langsam wird es aber endgültig eng. Im Raum stehen z. Zt. nicht nachweisbare Zusammenhänge von Wirtschaft und Politik, sprich Herrn Wulff in ziemlich direktem Zusammenhang mit VW/Porsche und einem (haha) Kredit! Bei sage und schreibe derselben Bank! Wenn das mal kein Zufall ist.

Frage ich mich, warum bleibt er im Amt? Ähnlich wie bei unserem ehrenwerten Abschreibeminister ein Wahrnehmungsproblem? Kein Schuldbewusstsein? Ist das Ego zu groß? Wem nutzt er im Amt? Von was lenkt das Theater um ihn in Wirklichkeit ab?

Der Anruf auf dem AB von Herrn Diekmann ist lediglich ein weiteres Trauerspiel. Peinlich, peinlich. Da ist er wütend, weil ihm die Boulevardpresse ans Bein gepinkelt hat und greift auf ganz große Bilder zurück. Ich musste erst nachlesen, was er da wohl gemeint hat, „der Rubikon sei überquert.“ Hier ein Zitat aus Wikipedia: „Die bewaffnete Überquerung des Flusses [Rubikon, Anm. von mir] in Richtung Süden – und damit in Richtung Rom – war gleichbedeutend mit einer Kriegserklärung an den römischen Senat.
OK, kleiner ging es wohl nicht, Herr Bundespräsident? Eine bewaffnete Kriegserklärung, so so. Solche Rhetorik wegen eines doch so unbedeutenden Kredits? Was verheimlichen Sie noch?

Das Kleben am Amt – seltsam mutet es an. Und das, obwohl Sie doch ausgesorgt haben mit der lebenslangen Apanage als dann ehemals höchster Mann im Staat.

Nach meinem ersten Ruf „Treten Sie zurück!“, möchte ich Ihnen jetzt einen anderen Vorschlag machen: Bleiben Sie im Amt, am Besten bis 67, so wie wir alle. Dann sparen wir uns lebenslange Renten für weitere Bundespräsidenten. Damit Sie möglichst wenig Schaden anrichten können, entziehen wir Ihnen einfach sämtliche Entscheidungsbefugnisse und am Besten direkt die Geschäftsfähigkeit. Dafür einen Richter zu finden sollte nicht sehr schwer sein. Was Sie dann noch tun sollen, fragen Sie sich grade? Lächeln und winken. Reden nur auf direkte Aufforderung und nach Durchsicht Ihrer Gedanken. Danke.

Herzliche Grüße,

eine Bundesbürgerin.

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